Flughafensicherheit: Firmen drohen Verdi mit Abbruch der Manteltarifgespräche

Es gibt 50 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Horus.

  • Flugreisende müssen bis kommenden Donnerstag nicht mit weiteren
    Streiks in Düsseldorf und Köln/Bonn rechnen. Dann werde man sich mit den
    Arbeitgebern zu einem Sondierungsgespräch treffen.



    Quelle: http://www.rp-online.de/region…fen-duesseldorf-1.3162480


    Wer etwas Großes
    will, der muß sich zu
    beschränken wissen,
    wer dagegen alles will,
    der will in der Tat nichts
    und bringt es zu nichts.


    Georg Wilhelm Friedrich Hegel


    Lieber Scheiße, & Ehrlich als Verlogen & Nett!!

  • @ badisch_nsl


    Ich muss dich da etwas auf etwas hinweisen, nämlich dass es im Bereich des §5 keine branchenüblichen 200 Stunden sind. Am Flughafen Weeze in NRW gibt es ausschliesslich 80 Std. Verträge. In Düsseldorf sind es 120+x Stunden Verträge. Dafür musst du aber 365 Tage im Jahr für den Arbeitgeber bereitstehen, denn du erfährst teilweise erst zum Feierabend, ob und wie du am nächsten Tag eingesetzt wirst. Und die Zuschläge musst du erstmal nennen. Sonntags 40%, Feiertags 100% klingt ja ganz ok, aber du musst erstmal an solchen Tagen zum Einsatz kommen, denn da ist in der Regel weniger Flugverkehr, also deutlich weniger Personal überhaupt im Einsatz. Naja, dann haben wir noch in der Zeit von 4-6 Uhr morgens 15% Nachtzuschlag. Also 2 zuschlagpflichtige Stunden maximal pro Tag, denn wir haben Nachtflugverbot in Düsseldorf. Der Lohn liegt also irgendwo zwischen ca. 1500 und 2000 Brutto. Dafür aber jeden Tag iom Einsatz, denn oft fährt man nur für 4 Stunden zum Ensatz. Wir haben ein riesigen Einzugesgebiet, ein Großteil der Beschäftigten hat über 80 km Anfahrtsweg. Rechne mal die Spritkosten für einen Tag, an dem du nur 50E Brutto verdienst. Und Fahrgemeinschaften werden vom Arbeitgeber grundsätzlich boykottiert. Der Betriebsrat reisst sich den Arsch auf uns ist auch recht erfolgreich, aber solange die Tarifverträge nicht mehr hergeben, fehlt oft leider die Rechtsgrundlage.
    Und jetzt haben wir die Schnautze voll.

  • Ich muss dich da etwas auf etwas hinweisen, nämlich dass es im Bereich des §5 keine branchenüblichen 200 Stunden sind. Am Flughafen Weeze in NRW gibt es ausschliesslich 80 Std. Verträge. In Düsseldorf sind es 120+x Stunden Verträge.


    Die "branchenüblichen 200 Stunden" waren auf der einen Seite nicht auf ein Bundesland spezifiziert, sondern allgemein gehalten,
    auf der anderen Seite auch auf Vollzeitarbeitnehmer. Mit einem 80-Stunden-Vertrag ist man genauso wenig Vollzeitarbeitnehmer wie mit einem 120-Stunden-Vertrag - da ist man (zunächst mal zumindest auf dem Papier) Teilzeitarbeitnehmer.


    Dafür musst du aber 365 Tage im Jahr für den Arbeitgeber bereitstehen, denn du erfährst teilweise erst zum Feierabend, ob und wie du am nächsten Tag eingesetzt wirst.


    Och, da gibt es mittlerweile bereits Urteile, die ein derartiges Geschäftsgebahren unterbinden... auch und gerade für Teilzeitarbeitnehmer, die "Arbeit auf Abruf" leisten sollen. Selbst der MRTV für Deutschland sieht da eine Frist von 2 Tagen im Voraus bereits jetzt vor, die Rechtsprechung geht noch darüber hinaus und verlangt 4 Tage im Voraus.
    Dafür muss man also nicht unbedingt streiken, dafür gibt es bereits Regelungen. Wenn sich der Arbeitgeber nicht daran halten will: Klagen.


    Der Lohn liegt also irgendwo zwischen ca. 1500 und 2000 Brutto.


    Für einen Teilzeitarbeitnehmer (siehe oben) ist das doch ganz passabel - soviel verdient so mancher nicht in Vollzeit. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten.
    Wie gesagt: Ich habe nichts gegen einen Streik, ich stehe auch dahinter - aber bitte sprecht als Luftsicherheitsassistenten nicht von Hungerlöhnen. Das ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden, der in Vollzeit mit gerade mal 1400 EUR Brutto oder noch weniger auskommen muss.


    80km Anfahrtsweg? Und das dann noch so oft? Sicher gibt es schöneres, vor allem wenn man dann nur 4 Arbeitsstunden hat. Aber immer dran denken: Da lohnt sich wenigstens noch die Arbeit für die Steuererklärung.

  • Richtig, es sind fast alles Teilzeitbeschäftigte. Aber die Teilzeit wird nicht über die Anzahl der freien Tage definiert, sondern über weniger Stunden am Tag, bei gleicher Anzahl Arbeitstagen. Also keine Chance, einen Nebenjob anzunehmen. Fakt ist, du musst mit dem Geld was du am Flughafen verdienst, leben.
    Die Urteile die du nennest, sind leider nicht anwendbar, denn das geht nur, wenn in der Arbeitsverträgen auch "Arbeit auf Abruf" steht. Es ist aber nirgendwo in den Arbeitsverträgen "Arbeit auf Abruf" vereinbart. Es handelt sich also auch nicht um kapovaz, daher sidn die 4 Tage im Vorraus nicht anwendbar. Im TzBfG ist das, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, auch leider genau so formuliert. Nämlich: "Wenn "Arbeit auf Abruf" vereinbart ist. Selbst die Verträge mit der Bundespolizei machen eine Anforderungsänderung innerhalb von 24 Stunden möglich. Außerdem gehst du nach dem MRTV Bewachung. Da ist in NRW aber der Aviationbereich nicht im Geltungsbereich. Für Luftsicherheitskräfte in NRW gilt aussschliesslich der Bundesmantelrahmentarifvertrag, und der sieht solche Regelungen zur Arbeitszeit nicht vor. Das meine ich mit fehlender Rechtsgrundlage.
    Und was das Geld angeht, reden wir hier bisher nur über den §5. Unsere Kollegen im Bereich §§ 8 und 9 darfst Du aber nicht unter den Tisch fallen lassen. Die arbeiten für 9 Euro/Stunde bei zum Teil der gleichen Arbeit.
    Bei den Lohntarifverhandlungen in NRW sind sämtliche Beschäftigte der Sicherheitsbranche in einem gemeinsamen Tarifvertrag zusammengefasst. Es geht dabei nicht nur um eine Anhebung der Löhne, sondern auch, ganz wichtig, um eine transparentere Eingruppierung. 80% der Kollegen aus den Sicherheitsbranchen arbeiten aufgrund bescheuerter Eingruppierungsformulierungen für den gesetzlichen Mindestlohn.
    Der Lohntarifvertrag NRW umfasst 34000 Menschen, Streikbereit und organisiert sind davon etwa 2000, nämlich wir an den Flughäfen. Davon etwa die Hälfte für 12,36 Euro, die andere Hälfte für 8,23, bzw 9 Euro. Wenn wir also an den Flughäfen streiken, streiken wir nicht nur für unsere eigenen Löhne, sondern in erster Linie für die Bewacher, die einfach zu schlecht aufgestellt sich selbst einen besseren Lohn zu erkämpfen.
    Es ist also nur ein klitzekleiner Teil der in NRW einen einigermaßen passablen Lohn bekommt, dafür haben wir die beschissensten Arbeitsbedingungen. Aber dieser kleine Teil ist halt kampfstark und hat sich entschlossen, die anderen mitzunehmen. Wir streiken halt eben für über 30.000 Bewacher, um DEREN Lähne nach oben zu ziehen.
    Und das ist das wirklich schöne, was wir in den Streiktagen endlich wieder gesehen haben. Solidarität wird endlich wieder gross geschrieben.

  • Also erstmal finde ich es super das sich da einige Kollegen als "Speerspitze" für die gesamte Branche (in NRW) hinstellen.
    Echt Top :thumbsup:


    Aber wenn ich mir deine Post so durchlese würde mir als erstes Problem der Arbeitgeber einfallen... Klingt alles m.M.n. nach einem etwas suspektem AG...


    Und ich kann da badisch erstmal nur zustimmen. Also 1500- 2000 für Teilzeit (freiwiillig oder unfreiwillig ma dahin gestellt) is doch echt nich schlecht.
    Da kenn ich Leute die als Fachkräfte in Vollzeit mit den Summen zufrieden geben müssen... Und wir reden hier immernoch von "Anlern Tätigkeiten" also das Wort Hungerlohn finde ich hier auch fehlt am Platze.


    Wenn der AG euch nur "Gurkenverträge" gibt is da in erster Linie mal nicht der TV dran schuld.


    Da gibt glaube ich genung andere Tarifeingruppierungen die eher den "Hungerlohn" bekommen... Ich finde persönlich eh das die andern 35 (warns glaube) Tarifgruppen auch in der Medialen Berichterstattung zu sehr untergehen und alle "nur" auf den Luftsicherheitsklräften rumreiten ziemlich ungünstig

    Dieb: "Unterstellen sie mir etwa das ich klauen würde? Das habe ich doch garnicht nötig..."


    Detektiv: "Ich unterstelle nicht, ich stelle fest. Entscheidener Unterscheid!" lol01

  • Quelle: http://www.verdi.de/presse/pre…94-11e2-ac16-52540059119e



    02.02.2013



    In den Tarifverhandlungen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft
    (ver.di) für das Wach- und Sicherheitsgewerbe sowie die Beschäftigten
    der privaten Sicherheitsdienstleister an deutschen Flughäfen hat es am
    gestrigen Freitag (1. Februar 2013) ein zentrales Koordinationstreffen
    der Tarifkommissionen von Nordrhein-Westfalen und Hamburg in der
    ver.di-Bundesverwaltung gegeben. Dort haben sich die Vertreter beider
    Tarifkommissionen darauf verständigt, die kommende Woche als zentrale
    Verhandlungswoche zu nutzen.

    Wer etwas Großes
    will, der muß sich zu
    beschränken wissen,
    wer dagegen alles will,
    der will in der Tat nichts
    und bringt es zu nichts.


    Georg Wilhelm Friedrich Hegel


    Lieber Scheiße, & Ehrlich als Verlogen & Nett!!

  • Richtig, es sind fast alles Teilzeitbeschäftigte. Aber die Teilzeit wird nicht über die Anzahl der freien Tage definiert, sondern über weniger Stunden am Tag, bei gleicher Anzahl Arbeitstagen. Also keine Chance, einen Nebenjob anzunehmen. Fakt ist, du musst mit dem Geld was du am Flughafen verdienst, leben.


    Tut mir ja leid, aber die Teilzeit wird üblicherweise nicht über die Anzahl der freien Tage definiert, sondern eben über weniger Stunden am Tag bei gleicher Anzahl an Arbeitstagen... das ist die klassische Teilzeitarbeit, wie sie in zig Beschäftigungsverhältnissen jeglicher Branche real angewandt wird.




    Die Urteile die du nennest, sind leider nicht anwendbar, denn das geht nur, wenn in der Arbeitsverträgen auch "Arbeit auf Abruf" steht. Es ist aber nirgendwo in den Arbeitsverträgen "Arbeit auf Abruf" vereinbart. Es handelt sich also auch nicht um kapovaz, daher sidn die 4 Tage im Vorraus nicht anwendbar. Im TzBfG ist das, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, auch leider genau so formuliert. Nämlich: "Wenn "Arbeit auf Abruf" vereinbart ist. Selbst die Verträge mit der Bundespolizei machen eine Anforderungsänderung innerhalb von 24 Stunden möglich.


    Wenn euch das erzählt wird, und von euch geschluckt wird... naja.
    Es muss im Arbeitsvertrag nicht "Arbeit auf Abruf" vereinbart sein, um die genannten Fristen von 2 bzw. 4 Tagen Bekanntgabe des Dienstplans einhalten zu müssen. Die gesetzliche Mindestfrist wie auch die tarifliche Frist gelten zwar tatsächlich nur bei vereinbarter Arbeit auf Abruf, die Arbeitgsgerichte wenden die Regelungen des §12 TzBfG aber schon länger analog auch auf andere Beschäftigungsverhältnisse an.


    Lies Dir mal die verdi-Seite dazu durch: Der Schichtplan muss frühzeitig angeordnet werden
    Die dort aufgeführten Regelungen und Rechtsprechungen sind branchenübergreifend anwendbar, auch auf die Sicherheitsbranche. Und ja, auch am Flughafen, wenn durch die BPol Anforderungsänderungen innerhalb 24h vereinbart wurden - die betreffen das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer: Wie der Auftragnehmer (euer Arbeitgeber) das umsetzt, ist sein Problem. Im Verhältnis zu seinen Arbeitnehmern gilt grundsätzlich das, was weiter oben geschrieben wurde.


    Nebenbei: Ein Loblied auf Euren Betriesbrat würde ich an dieser Stelle sein lassen, oder wie will dieser bei der aktuellen Praxis der Dienstvergabe seiner gesetzlich zugewiesenen Aufgabe ordentlich nachkommen? Mir scheint, da liegt einiges im Argen und man hat sich halt einfach damit abgefunden, auch als Betriebsrat.


    Wie bereits erwähnt: In dieser Hinsicht muss nichts mehr geregelt werden - einfach nur die bestehenden Regelungen konsequent anwenden. Dann kann der Arbeitgeber seine Praxis, zu Feierabend mitzuteilen wie man am nächsten Tag arbeitet vergessen.




    Außerdem gehst du nach dem MRTV Bewachung. Da ist in NRW aber der Aviationbereich nicht im Geltungsbereich. Für Luftsicherheitskräfte in NRW gilt aussschliesslich der Bundesmantelrahmentarifvertrag, und der sieht solche Regelungen zur Arbeitszeit nicht vor. Das meine ich mit fehlender Rechtsgrundlage.


    Bundesmantelrahmentarifvertrag = MRTV.

  • Zitat


    80km Anfahrtsweg? Und das dann noch so oft? Sicher gibt es schöneres, vor allem wenn man dann nur 4 Arbeitsstunden hat. Aber immer dran denken: Da lohnt sich wenigstens noch die Arbeit für die Steuererklärung.


    Ich kenne auch KollegInnen hier in Berlin, die diese Anfahrtswege tgl. haben und empfinde es ungerecht, dass es dort keinen Ausgleich gibt.


    Und die Steuererklärung gibt da auch wenig her.
    Es gibt nur die Steuern zurück, die eingezahlt werden und bei diesem Verdienst sind Steuern mau.


  • Und die Steuererklärung gibt da auch wenig her.
    Es gibt nur die Steuern zurück, die eingezahlt werden und bei diesem Verdienst sind Steuern mau.


    In besagtem Beispiel ging es noch immer um die Luftsicherheitsassistenten. Und der Verdienst jener Kollegen ist (grundsätzlich auch in Teilzeit) in einer Höhe, in der zumindest in Steuerklasse 1 noch Steuern anfallen - und die man dann bei 80km Anfahrtsweg und geschätzten 230 Arbeitstagen mal eben fast komplett wieder zurückbekommt:


    Bei einem angenommenen steuerpflichtigen Monatsbruttolohn von 1500 EUR zahlt der Steuerpflichtige in Klasse 1 etwa 100 EUR Lohnsteuer pro Monat.
    Die 80km Anfahrtsweg reduzieren alleine schon das zu versteuernde Jahresbruttoeinkommen von 18000 EUR bei den geschätzten 230 Arbeitstagen um etwa 5500 EUR auf 12500 EUR. Und da sind andere Dinge in den Werbungskosten oder Sonderausgaben noch gar nicht mit eingerechnet.
    Die Lohnsteuer auf das Jahr gerechnet beträgt dann mit dem Werbungskostenabzug für den Anfahrtsweg etwa 200 EUR - gezahlt hat er aber 1200 EUR. Das ergibt alleine durch die Pendlerpauschale eine Erstattung von 1000 EUR.


    Bei Steuerklasse 3 sieht das wieder anders aus, jedoch wird da der Ausgleich durch die gemeinsame Veranlagung mit dem Partner in 5 auch in irgendeiner Form geschehen.

  • So wenn die Steuerberatung abgeschlossen ist und per Elster beim Finanzamt liegt, könnten wir zu des Pudels Kern zurückkehren.
    Ich habe selber mal in der Fluggastkontrolle gearbeitet, allerdings lange bevor es die ganze Paragraphenreiterei gab. Ich war im Winter 1996/1997 in dem Bereich tätig. Da ging unsere Diensteinteilung nach dem Flugplan. Und der wird nicht mal eben geändert. Zumal wenn euer Betriebsrat sowas mitmacht, dann taugt der nicht die Bohne, also abwählen. ich weiß, dass in dem Bereich eine nichtgenannte Firma mit Sitz in einer Stadt im Ruhrgebiet sehr aktiv ist. Selbiges Unternehmen hat einen sehr durchwachsenen Ruf, besonders was den Umgang mit den Mitarbeitern angeht. ich würd mich an eurer Stelle mal an Braunschweig wenden, schließlich haben die auch eine nicht unerhebliche Kontrollfunktion in eurem Bereich.


    Für den Streik und die Verhandlungen drück ich die Daumen, dass die Aktion mit Erfolg belohnt wird, auch wenn ich an der "Übertragung" auf andere Bereiche der Sicherheit so meine Zweifel habe.

    Der Laie staunt - der Fachmann wundert sich