Lohnfortzahlung nach Arbeitsunfall

Es gibt 24 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von badisch_nsl.

  • Hallo Kollegen! lol01
    Ich brauch mal eure Hilfe!
    Wie berechnet man genau die Lohnfortzahlung habe was gelesen die letzten 6 Monate der gearbeiten Stunden duch 182
    komme aber damit nicht klar. ?(
    Wäre super wenn mir einer eine Beispielsrechnug zukommen lässt. :thumbsup:

  • Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ist unterschiedlich geregelt, je nach Tarifgebiet gibt es da teilweise riesige Unterschiede.
    Daher: Wo arbeitest du bzw. welcher Tarifvertrag für welches Bundesland gilt für dich?

  • Grundlage ist der "Tarifvertrag zur Entgeldfortzahlung im Krankheitsfall" vom 13.11.1997 (urspüngliche Gültigkeit bis 30.04.2000 - aber laut BDSW immer noch angewandt)
    Danach werden das Einkommen der letzten 3 Monate als Grundlage genommen (ohne Einmalzahlungen) geteilt durch die KALENDERTAGE mal die Krankentage. also 1000 € Brutto x 3 = 3000 € geteilt durch 92 Kalendertage = 32,61 € mal die Krankentage ... es gibt zu dem Thema eine gute Information durch die TKK, mal danach Googeln.


    Nach Klage eines Mitarbeiters wurde aber vom örtlichen AG entschieden, dass die tatsächlich ausgefallenen Dienste INKLUSIVE der anzunehmenden Zeitzuschläge (Nacht etc.) zu zahlen sind.


    Hier gibt es offensichtlich nach wie vor sehr unterschiedliche Auffassungen und der Gang zum AG lohnt meistens ...

    Manche leben um zu arbeiten, andere arbeiten, um zu leben ... ich gehöre zu den Dummen :D

  • Grundlage ist der "Tarifvertrag zur Entgeldfortzahlung im Krankheitsfall" vom 13.11.1997 (urspüngliche Gültigkeit bis 30.04.2000 - aber laut BDSW immer noch angewandt)


    ...aber nur, wenn er in NRW arbeitet ;)


    Dem Profil nach kommt er aus Baden-Württemberg, ob er auch da arbeitet oder vielleicht doch in einem anderen Bundesland und daher der dortige TV zur Anwendung kommt, weiss ich bislang nicht.

  • Von Baden-Württemberg ausgehend:


    Zitat

    Das fort zu zahlende Arbeitsentgelt der Arbeitnehmer berechnet sich nach der
    für den Arbeitnehmer durchschnittlichen Arbeitszeit der letzten 6 Monate auf
    der Basis von § 8 Abs. 1.1. geteilt durch 182.
    Das so ermittelte tägliche Arbeitsentgelt wird mit den Tagen der
    Arbeitsunfähigkeit multipliziert.


    Also die Stunden der letzten 6 Monate zusammenrechnen und diese Zahl durch 182 teilen. Damit hat man dann die durchschnittliche Arbeitszeit der letzten 6 Monate in Stunden.
    Angenommen man hat in den letzten 6 Monaten jeden Monat 200 Stunden gearbeitet kommt man auf eine Gesamtstundenzahl von 1200 Stunden. Diese Zahl teilt man durch 182 und kommt dann auf 6,59 Stunden pro Tag.


    Man bekommt also den Stundenlohn laut Tarif für 6,59 Stunden pro Tag der attestierten Arbeitsunfähigkeit. Wenn man von Montag bis Sonntag "krankgeschrieben" ist, bekommt man also für 7 Tage die Lohnfortzahlung. Mit dem Mindestlohn hätten wir dann also 58,65 EUR pro Tag und demnach 410 EUR für diese 7 Tage - auch wenn man laut Dienstplan Freitag bis Sonntag eigentlich frei gehabt hätte.


    Aber Achtung: Alternativ kann der Arbeitgeber in Baden-Württemberg auch das Lohnausfallprinzip anwenden, dann kommt die Rechnung oben nicht zur Anwendung. Der Arbeitgeber zahlt dann den Lohn fort, wie er verdient worden wäre wenn man gearbeitet hätte.
    Also auch wieder das Beispiel Montag bis Sonntag krank geschrieben, aber laut Dienstplan nur Montag bis einschliesslich Donnerstag geplant mit 8 Stunden Schicht pro Tag ergibt nach dem Lohnausfallprinzip und mit Mindestlohn 284,80 EUR.

  • Hallo Kollegen !
    Erst mal vielen dank für die Anwortren
    Ich arbeite in Baden Württemberg
    Aber mit euren Beispielen komme Ich schon viel weiter Danke Danke

  • Hallo Kollegen !
    Es ist Hier eine Super Forum das Ich nicht mehr missen möchte.
    Jetzt bin Ich der Gewerkschaft Beigetreten und die nehmen das alles in die Hand
    aber trotz allem nochmals vielen Dank
    Kann euch ja nach Ausgang der Sache nochmals kurz Infomieren

  • ...Kann euch ja nach Ausgang der Sache nochmals kurz Infomieren


    Was für eine Sache liegt denn genau vor?


    Der Beitritt zur Gewerkschaft ist aber auch ohne "diese Sache" auf jeden Fall gut und anzuraten. Gute Entscheidung!

  • In der Überschrift ist die Rede von "Arbeitsunfall", da zahlt doch nach spätestens sechs Wochen die BG .
    Auf alle Fälle stehst du dich nicht schlechter als wenn du gearbeitet hättest, allerdings auch nicht besser.
    Zuschläge aller Art werden aber nicht berücksichtigt, ergo doch etwas schlechter. :cursing:

    Make my Day

  • ...
    Zuschläge aller Art werden aber nicht berücksichtigt, ergo doch etwas schlechter. :cursing:


    also da war das AG hier anderer Meinung, es hat entschieden, dass die Zuschläge für Nacht, Sonntag, Feiertag auch bei Krankheit zu zahlen seien ... und das auch bei "normaler" AU also ohne dass ein Arbeitsunfall vorliegen muss.

    Manche leben um zu arbeiten, andere arbeiten, um zu leben ... ich gehöre zu den Dummen :D

  • Kommt auf die Regelungen des jeweiligen Tarifvertrags an.
    Bei uns in Baden-Württemberg ist es im Tarifvertrag derart geregelt, dass Zeitzuschläge nicht bezahlt werden. Andere Zuschläge und Lohnzulagen hingegen werden bezahlt bzw. fliessen in die Berechnung mit ein.

  • Wie wäre denn so ein Fall in Niedersachsen angelegt? Bei einer Firma die nicht dem BDWS angehört, meines Wissens existiert hier auch kein gültiger Manteltarifvertrag.
    Also ist es praktisch rechtsfreier Raum.

  • Nein, kein rechtsfreier Raum.


    Tarifverträge können vom Entgeltfortzahlungsgesetz abweichende Regelungen treffen. Wenn aber kein TV besteht oder ein bestehender TV keine Bindungswirkung für das einzelne Beschäftigungsverhältnis hat, gelten die Regelungen des EntgFG in vollem Umfang.


    Das bedeutet:


    §3 EntgFG
    (1) Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung verhindert, ohne daß ihn ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen. (...)


    und §4 EntgFG
    (1) Für den in § 3 Abs. 1 oder in § 3a Absatz 1 bezeichneten Zeitraum ist dem Arbeitnehmer das ihm bei der für ihn maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit zustehende Arbeitsentgelt fortzuzahlen.
    (1a) Zum Arbeitsentgelt nach Absatz 1 gehören nicht das zusätzlich für Überstunden gezahlte Arbeitsentgelt und Leistungen für Aufwendungen des Arbeitnehmers, soweit der Anspruch auf sie im Falle der Arbeitsfähigkeit davon abhängig ist, daß dem Arbeitnehmer entsprechende Aufwendungen tatsächlich entstanden sind, und dem Arbeitnehmer solche Aufwendungen während der Arbeitsunfähigkeit nicht entstehen. Erhält der Arbeitnehmer eine auf das Ergebnis der Arbeit abgestellte Vergütung, so ist der von dem Arbeitnehmer in der für ihn maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit erzielbare Durchschnittsverdienst der Berechnung zugrunde zu legen.

  • irgendwie aber trotzdem "rechtsfrei",
    da es gerade in unserer Branche zumeist große Probleme gibt, wie AG die Bestimmung "bei der für ihn maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit zustehende Arbeitsentgelt fortzuzahlen" auslegen


    am gerechtesten finde ich noch die Regelung , die u.a. in Bayern gilt :


    kalendertägliche Lohnfortzahlung mit einem Tagessatz, der sich aus einem Durchschnitt des letzten Gesamtbruttos berechnet

    "Der wahre Charakter einer Person wird gemessen an dem, was die Person tun würde, wenn niemand jemals etwas davon erfahren würde." (Thomas Macaulay)


  • Da gibt es nichts auszulegen. Wenn ausschliesslich das EntgFG gilt, ist dieser betroffene Arbeitnehmer im Gegensatz zu manchen AN mit bindendem TV sogar besser gestellt: Es gilt das Lohnausfallprinzip.
    Es ist also der Lohn zu zahlen, den der Arbeitnehmer auch ohne Arbeitsunfähigkeit erhalten hätte - incl. Zeitzuschläge, sofern diese angefallen wären.
    Höchstrichterlich geklärt...
    Wer da noch meint, irgendwas anders auslegen zu müssen hat ganz einfach Pech - sofern der betroffene Arbeitnehmer dagegen vorgeht.

  • bei wievielen AN kann man denn genau sagen, weiviel sie verdient hätten, wenn sie nicht krank geworden wären ?


    du gehst von vorbildlichenn Zuständen aus, geregelte Dienstzeiten, klare Dienstpläne


    die Realität sieht aber für viele ganz anders aus

    "Der wahre Charakter einer Person wird gemessen an dem, was die Person tun würde, wenn niemand jemals etwas davon erfahren würde." (Thomas Macaulay)


  • Bei Arwed könnte man es, und er hat gefragt...


    .


    § 2 Begriff der Rechtsdienstleistung


    (3) Rechtsdienstleistung ist nicht:


    5.
    die an die Allgemeinheit gerichtete Darstellung und Erörterung von Rechtsfragen und Rechtsfällen in den Medien,





    schon deshalb empfiehlt sich eine Betrachtung, die sich nicht am Einzelfall des Fragestellers festmacht



    und klar, wenn es einen Dienstplan gibt, hat man was in der Hand
    gibt es (noch) keinen, weil Monatswechsel ansteht oder längerfristige Krankheit anliegt,
    wirds schon wieder problematisch

    "Der wahre Charakter einer Person wird gemessen an dem, was die Person tun würde, wenn niemand jemals etwas davon erfahren würde." (Thomas Macaulay)


  • Danke sehr, ja bei mir geht das immer. Ich mach ja die Dienstpläne für mein Objekt. :)
    Bei den Aushilfen kann ich das auch vorlegen, für die Zeit in der ich sie eingeplant habe.
    So machen das alle bei uns, nein ich bin kein Objektleiter. Würde ja teurer, wer sich berufen fühlt von der Festbesatzung und am längsten dabei ist, der macht das.
    Läuft praktisch autark, die Firma ist normalerweise nichtmal darüber informiert wer wann arbeitet. Da wo die es planen funktioniert es regelmäßig nicht.
    Ich schicke meinem Objektleiter den ich einmal zu Gesicht bekommen habe seit er es ist vor 1,5 Jahren, per Mailanhang als PDF einen Plan für den anstehenden Monat, wenn es meine Zeit erlaubt. :D
    Zuvor habe ich mehr als 10 Jahre niemanden gesehen aus der Firma, war auch nie da.
    Den bekommt die Firma allerdings auch nicht zu sehen, der Objektleiter hält es auch geheim.
    Ist wirklich so, hier funktioniert es gut.