Nach Vertragsänderung übers Ohr gehauen?

Es gibt 15 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Fump.

  • Moin Jungs,Ich bin Disponent im Sicherheitsdienst und wir wurden bisher nach unseren geleisteten Stunden bezahlt. Nun hat uns unser Chef ne Vertragsänderung vorgelegt, rückwirkend zum letzten Monat. Es gibt nun ein Festgehalt, ich verdiene im Monat nun ca. 600 Euro Netto weniger als vorher. Außerdem gab es vorher eine "Telefonpauschale", als "Obolus" für unsere Bereitschaftshabenden Disponenten.

    Diese Pauschale fällt komplett weg. Außerdem steht im Nachtrag, dass " Überstunden als selbstverständlich" angesehen werden und diese " unentgeltlich abzuleisten " sind, bis die Arbeit als erledigt angesehen werden kann.
    Heißt das nun, dass ich 15, 16, 17 usw. Stunden am Tag machen muss, ohne irgendwie eine Ausgleichszeit haben zu können? Ich kenne mich da in der Gesetzgebung nicht so ganz aus, außerdem stört mich das, dass es rückwirkend zum letzten Monat gilt.
    Da muss es doch eine Regelung finden, da ich es bei aller Liebe zur Arbeit nicht einsehe, abends bis 20 Uhr im Büro zu sitzen und morgens um 8 wieder auf der Matte zu stehen.Vielen Dank für eure Hilfe.

  • Zunächst: Du hast unterschrieben?


    Das Ganze stellt sich im Grunde als eine Änderungskündigung dar. Der kannst Du zustimmen, musst es aber nicht. Im Endeffekt würde das dann vorm Arbeitsgericht enden, mit ungewissem Ausgang - für beide Seiten.
    Eine Abschätzung der Erfolgsaussichten, womöglich noch mit Begründung, spare ich mir hier an dieser Stelle. Dafür gibt es Fachanwälte, die auch für ihre Auskunft haften.


    Zur Überstundenproblematik:
    Nicht alles, was in Arbeitsverträgen an Klauseln enthalten ist, hält auch rechtlich wirklich stand...
    http://www.karriereakademie.de…ind-mit-gehalt-abgegolten

  • Ja ich hab unterschrieben.


    mich stören mehrere Partien da drin. Mein Chef wollt nicht mit sich reden lassen.
    "Ein Anspruch auf Vergütung bei kurzfristiger Arbeitsverhinderung zur Pflege naher Angehöriger i.S.d. §2 PflegeZG oder Kinder.... jeweils in Verbindung mit § 616 BGB ist ausgeschlossen."
    Was genau bedeutet das. Im Netz findet man unterschiedliche Interpretationen davon.
    Und außerdem stört mich massiv folgender Teil:
    "Aus betrieblichen Gründen notwendige Überstunden müssen geleistet und von der Niederlassungsleitung vorher genehmigt werden. Die erbrachten Leistungen aus erforderlichen Überstunden sowie aus jeder Art von gebotener Mehrarbeit sind mit der vereinbarten Gehaltszahlung abgegolten"

  • "Ein Anspruch auf Vergütung bei kurzfristiger Arbeitsverhinderung zur Pflege naher Angehöriger i.S.d. §2 PflegeZG oder Kinder.... jeweils in Verbindung mit § 616 BGB ist ausgeschlossen."


    Das bedeutet, dass Du in solch einem Fall nur unbezahlt freigestellt wirst. Im Falle z.B. kranker eigener Kinder, die betreut werden müssen, bekommst Du in diesem Fall dann von Deiner Krankenkasse das sogenannte Kinderpflege-Krankengeld für die Dauer (längstens 10 Tage am Stück, max. 25 Tage pro Kalenderjahr) der notwendigen Betreuung und dem damit verbundenen Verdienstausfall aufgrund Arbeitsverhinderung.
    Um das in Anspruch nehmen zu können, benötigst Du eine entsprechende Bescheinigung vom Arzt. Darauf ist dann auch gleich der Antrag für die Krankenkasse, der auszufüllen ist.


    Der gesetzliche Regelfall sieht auch hier - ähnlich (aber eben nicht identisch) wie bei eigener Krankheit - die bezahlte Freistellung von der Arbeit vor, praktisch wie bezahlter Sonderurlaub. Diese gesetzliche Regelung ist aber nicht unabdingbar, sie kann einzel- oder kollektivvertraglich ausgeschlossen werden.
    Ist nicht unüblich, das auszuschliessen. Daher auch völlig in Ordnung, wenn das ausgeschlossen wird.



    Zur Überstundenproblematik habe ich bereits den Link gegeben. Einfach mal durchlesen.



    Was mich aber doch immer wieder verwundert: Man bekommt etwas vorgelegt, mit dem man nicht einverstanden ist und unterschreibt es trotzdem... Muss man nicht wirklich verstehen.

  • Achso okay.


    Das mit dem Pflegen habe ich begriffen, den Link bezüglich den Arbeitszeiten habe ich mir auch durchgelesen und soweit verstanden.
    Was mich allerdings brennend Interessiert ist folgende Sachlage.
    Wenn ich nun 12/13 Std durchgängig im Dienst bin, ist es dann eigentlich rechtlich, wenn ich nach kurzer Freiphase wieder in den Dienst gehe?
    Also ich arbeite gründsätzlich von Mo. - Fr. von 08:00 Uhr bis open end. Zur zeit 19/20 Uhr.Samstag und Sonntag nur bedingt frei, kommt auf die Problematik in den einzelnen Objekten an. Zur Zeit mit viel Glück 1 Tag bzw einen halben Tag in der Woche mal Ruhe. Dazu jede zweite Woche(Mo. - So.) neben der normalen Arbeit 24 Std. Bereitschaft.

  • Nur mal so am Rande: Wenn Du Disponent bist (ich interpretiere das so, dass Du für den Personaleinsatz zuständig bist, also u.a. Dienstplanung), solltest Du eigentlich das Arbeitszeitgesetz in- und auswendig kennen und daher wissen, was zulässig ist und was nicht.

  • Danke Badisch, ich hätte es nicht treffender ausdrücken können...


    Abgesehen davon.... ich denke ein RA wird die Dokumente sehen und lächelnd und sich auf die bevorstehenden Einnahmen freuen....

  • Dem Mitarbeiter hätte es bestimmt mehr genutzt wenn er vor der Unterschrift einen Rechtsanwalt konsultiert hätte. Die Frage nach einem Betriebsrat oder einer verdi-Zugehörigkeit schenke ich mir mal.
    Das erinnert mehr an die Zeit der Sklaverei als einen Arbeitsvertrag. :dash:
    Manche lernen nur durch persönlichen Schmerz...

  • Moin.


    Nur mal so am Rande: Wenn Du Disponent bist (ich interpretiere das so, dass Du für den Personaleinsatz zuständig bist, also u.a. Dienstplanung), solltest Du eigentlich das Arbeitszeitgesetz in- und auswendig kennen und daher wissen, was zulässig ist und was nicht.


    Ja als Disponent weiß ich was im Arbeitszeitgesetz drin steht etc pp. allerdings haben wir in der Firma sonst keinen Fall bezüglich dem Bereitschaftsdienst. Diese Sachlage ist mir nicht bekannt.


    Die ganze Sache war ziemlich abrupt. Kurz vor Ende des Monats bekamen wir Rückwirkend für den Monat den neuen Arbeitsvertrag. Es kam bei einigen die Sorge auf, dass es kein Gehalt überwiesen wird, wenn nicht Zeitnah unterschrieben wird, da das Gehalt nach neuem Arbeitsvertrag bereits verrechnet wurde.


    Außerdem wurden diese Wörter wie : Gewerkschaft oder Betriebsrat auf die böse Liste gesetzt. Es gab den einen oder anderen Fall, indem man den Menschen nicht mehr wieder gesehen hat. :D


    Aber dazu noch was anderes. Im Tarifvertrag steht drin, dass es eine Kündigungsfrist von 14 Tagen existiert. Wenn im Arbeitsvertrag nun etwas anderes steht, was ist dann wirksam ?


  • ... Außerdem wurden diese Wörter wie : Gewerkschaft oder Betriebsrat auf die böse Liste gesetzt. Es gab den einen oder anderen Fall, indem man den Menschen nicht mehr wieder gesehen hat. :D
    Aber dazu noch was anderes. Im Tarifvertrag steht drin, dass es eine Kündigungsfrist von 14 Tagen existiert. Wenn im Arbeitsvertrag nun etwas anderes steht, was ist dann wirksam ? ...


    Den Arbeitsvertrag schätze ich höher ein als den Tarifvertrag. Da gibt es oft Sonderregelungen, die besser als der Tarifvertrag sind. Es sei denn, Du hast mit Deiner Unterschrift z.B "freiwillig" eine schlechtere Kündigungsfrist akzeptiert. Mein Arbeitsvertrag ist z.B. mehrere Jahrzehnte alt, enthält Vergünstigungen die es schon längst nicht mehr gibt und ist gültig obwohl er schon mehrere Firmenwechsel überstanden hat.
    Du beschreibst aber selbst, was bei Deiner Firma mit Leuten passiert die das durchsetzen wollen was sie für "ihr Recht" halten. Das muß Dir bewußt sein: Wenn Du um Dein Recht kämpfst wirst Du "der Staatsfeind Nummer 1"!

  • Ja das mit dem Staatsfeind ist mir sehr wohl bekannt. In meinem Arbeitsvertrag steht zuzüglich der Kündigungsfrist, dass Tarifliche oder Gesetzliche Verlängerungen der Frist für beide Vertragspartner bestehen. Allerdings wäre es bei mir keine Verlängerung der Frist, sondern eine Verkürzung der Frist.

  • In meinem Arbeitsvertrag steht zuzüglich der Kündigungsfrist, dass Tarifliche oder Gesetzliche Verlängerungen der Frist für beide Vertragspartner bestehen. Allerdings wäre es bei mir keine Verlängerung der Frist, sondern eine Verkürzung der Frist.


    Einzelvertraglich können Abweichungen vom Tarifvertrag nur gelten, wenn sie den Arbeitnehmer gegenüber dem Tarifvertrag nicht benachteiligen.


    Aber wie bereits mehrfach gesagt: Investiere etwas Geld und lass das alles vom Fachanwalt prüfen.


    Übrigens: Mit der Mitgliedschaft in der Gewerkschaft hättest Du diesbezüglich kostenlose Rechtsberatung bei eben jener.

  • Ich kann hier den Beitrag über mir seitens badisch_nsl nur zustimmen. Einen gültigen Tarifvertrag per Arbeitsvertrag aushebeln :mecker:
    Auch von mir der Hinweis, bitte einen Rechtsanwalt, wenn möglich Arbeitsrecht, aufsuchen.


    Gewerkschaftsmitglieder sind da im Vorteil ;)

    Ich kaufe ein A und möchte lösen, "Bockwurst".

  • Ja ich denke dein Chef hat dich über den Tisch gezogen. Rückwirkende Änderungen muss man sowieso nicht akzeptieren. Abgesehen davon ist eine so massive Lohnkürzung und potentielle unbezahlte Arbeitszeitverlängerung meiner Meinung nach inakzeptabel. Du hättest meiner Meinung nach nicht unterschreiben sollen. Leider ist der Drops ja nun gelutscht. Für die Zukunft würde ich an deiner Stelle in die Gewerkschaft eintreten oder eine Arbeitsrechtschutzversicherung abschliessen. Und mich nach einer neuen Arbeit umsehen.

  • Ich denke eher der AV die Nebenabsprachenn des AV sind nichtig, aber wie ich und andere schon schrieben....


    Anwalt für Arbeitsrecht!!!