Geschlagen und getreten.

Es gibt 25 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Chefin.

  • Hallo, lang lang ist es her,
    als ich mein schlimmstes Erlebnis
    im Dienst durchmachen musste.


    Es war so.
    Meine acht Arbeitskollegen
    und ich waren bei einer Großveranstaltung
    zum Dienst (privater Sicherheitsdienst) eingeteilt gewesen.
    Da wir keine Funkgeräte zur Verfügung hatten,
    hatte ich als Einsatzleiter die Leute so eingeteilt und Positioniert,
    dass wir uns immer im Blickfeld hatten.
    So weit so gut.
    Bis auf die üblichen Rangeleien hatten wir diesen Abend immer alles im Griff.
    Wenn es zu extrem wurde,
    brachten wir die einzelnen Störenfriede zum Ein-Ausgang,
    wo die Polizei schon meistens auf uns wartete.
    So auch dieses Mal.
    Da ein Gast sich auch nach mehrmaligen auffordern nicht
    zurechtweisen lies,
    entschlossen wir uns, auch ihn vor die Türe zu setzen,
    bis er sich wieder beruhigt hatte.
    Und so machten wir das dann auch,
    einer links einer rechts
    und der Gast den wir raus befördern wollten in der Mitte.
    Es war jede Menge los,
    viele Leute, laute Music und alle
    sind am austicken gewesen.
    Auf halben wege habe ich schon bemerkt,
    dass seine Freunde hinter uns her waren.
    Ich drehte mich sicherheitshalber noch einmal um,
    um zusehen, wo sie sind, und da ging es auch schon los.
    Ohne Vorwarnung schlug einer seiner Freunde mir mit seiner
    Faust mitten in das Gesicht.
    Da ich nicht aufgepasst habe und auch nicht wirklich darauf gefasst
    war ging ich natürlich zu Boden.
    Ich habe mich mit beiden Armen am Boden abgestützt um
    schnell wieder hoch zu kommen,
    aber das war vergebens.
    Der eine
    schlug mir mit seinen Stiefel mehrmals voll in das Gesicht,
    der Zweite Schlug ebenfalls mit seinen Füßen mit voller
    Kraft gegen meinen Kopf,
    und der Dritte verpassten mir immer wieder Fußtritte in
    meinen Bauch.
    Das ging alles so schnell und ich hatte keine Möglichkeit
    mehr aufzustehen,
    da ich immer wieder versucht habe mein Gesicht zu schützen.
    Immer und immer wieder haben sie zugetreten.
    Vor laute Schmerzen wusste nach einiger Zeit gar nicht mehr
    wo oben und unten ist.
    Kurz darauf,
    ich weiß gar nicht wie lange ich bewusstlos war,
    wachte ich wieder auf einen Biertisch auf.
    Um mich herum wahren mehrere Polizisten die mich von der
    Menschenmasse abschirmte.
    Alles um mich herum war irgendwie so unwirklich geworden.
    Mein Gesicht blutete mein Körper zitterte, alles tat so weh.
    Und dann noch die vielen Menschen um mich herum.
    Aber in diesen Moment, hatte ich irgendwie immer wieder
    nur diesen einen einzigen Gedanken.
    Und das war, meine Frau und mein Tochter.
    Was werden sie wohl sagen, wenn sie mich so sehen.
    Aber dann ging es schon weiter, der Notarzt und der
    Rettungswagen waren da.
    Die Polizei schirmte erneut wieder alles ab.
    Nach einer kurzen Untersuchung ging es auch gleich zum
    nächstgelegenen Krankenhaus in die Notaufnahme.
    Ich wurde untersucht und geröntgt das Blut wurde mir
    abgenommen und so weiter und so weiter.
    Langsam hatte ich die Schnauzte voll, da mir jeder einzelne
    Knochen weh tat und mein Gesicht vor lauter schmerzten,
    ich wusste nicht mehr was ich machen sollte.
    Zwischen den Ärzten und der Polizei habe ich dann irgendwann
    mal meine Frau gesehen die in die Notaufnahme gekommen war.
    Und da war auch ich den Tränen nah.
    Noch nie habe ich gesehen, dass meine Frau so weinte.
    Ich versuchte mit ein paar lockeren Sprüchen
    das ganze etwas zu lockern,
    was mir dann auch gelang.
    Als ich dann im Krankenzimmer
    zusammen mit meiner Frau alleine war,
    konnten wir ein wenig reden.
    Der behandelnde Arzt kam kurze Zeit darauf auch dazu und
    Gratulierte mir.
    Bis auf schwere Prellungen und Hautaufschürfungen habe ich
    das ganze gut überstanden.
    Aber wegen der Gefahr, dass noch Gehirnblutungen auftreten
    könnten, musste ich noch ca. 24 Std. im Krankenhaus
    unter Ärztlicher Aufsicht bleiben.
    Meine Frau und ich waren echt froh,
    dass nichts Schlimmeres passiert war.
    Als ich über Nacht im Krankenhaus bleiben musste,
    hatte ich nun jede Menge Zeit das ganze
    Revue passieren zu lassen.


    Was ist eigentlich geschehen?
    Wo waren meine Kollegen?
    Warum hat mir denn keiner geholfen als ich am Boden lag?
    Hat die Polizei die Täter Erwischt?
    Was habe ich falsch gemacht? usw. usw……


    Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde,
    habe ich kurze Zeit darauf erfahren müssen,
    dass meine Arbeitskollegen einfach abgehauen sind.
    Und das die Polizei die Täter weder vernommen
    noch sonst irgendetwas unternommen hat.
    Die Identität der drei Täter konnte auch im Nachhinein nicht
    mehr geklärt werden.


    Nachdem ich nach einigen Wochen wieder zur Arbeit gehen
    konnte, bin ich noch vor Dienstbeginn
    bei der zuständigen Polizei vorbei gefahren und habe mich
    für ihre gute Arbeit bedankt.
    Bei meinen Arbeitskollegen
    habe ich mich in dieser Form bedankt,
    dass ich dafür gesorgt habe, dass sie alle gekündigt wurden.
    Ja so oder so ähnlich war mein Schlimmstes Erlebnis im Dienste
    für Ordnung, Schutz und Sicherheit.


    Fazit:
    Trotz guter Ausbildung als Fachkraft,
    Trotz guter Ausbildung im Kampfsport,
    unterschätze niemals die Gefahrenlage.


    In diesem Sinne,


    Grüße Blue-Bull

  • Gesundheitlich hast du alles überstanden?


    Hast du deine "Kollegen" danach mal auf ihr Verhalten angesprochen?
    Hast du eine Idee, wie du so etwas in Zukunft verhindern kannst, suchst du deine Kollegen nach anderen Kriterien aus?

  • Hatte schon mal eine ähnliche Situation, bei der mich ein Kollege, angeblich weil er seine Waffe aus dem Auto holen wollte, gegen mehrere im Stich ließ.
    Es endete damit, dass ich bewusstlos geschlagen wurde und ins Krankenhaus kam...
    Ich habe dem Kollegen danach angeboten ihn zu trainieren, auf meine unzweideutige Art des Angebotes hin, hat er um sofortige Kündigung gebeten! :grin:


    Seitdem habe ich jedem Chef klargemacht, dass wenn mich einer mal hängen lasst, dann geh ich mit dem in den Ring (naaaaatüüüüürlich nur zum Training!)


    Aber ist schon heftig, wenn eine ganze Mannschaft abhaut und einen praktisch den Wölfen zum Fraß vorwirft!


    Eines aber kann man noch aus dieser oder ähnlichen Situationen lernen:
    NIEMAND wird je ungeschlagen bleiben! Es gibt immer irgendwann einen "besseren"!


    Und sei es nur, weil die Tagesform nicht optimal ist;
    Sei es, weil dem anderen ein "Lucky-punch" gelang;
    Sei es, weil man durch etwas anderes abgelenkt war und der Angriff überraschend kam...


    Jeder, mit egal wieviel Erfahrung, Ausbildungen, Kämpfen kann auf einen Stärkeren treffen!


  • @>colle:

    Ja, gesundheitlich habe ich alles gut überstanden,
    und folge Schäden hatte ich auch keine zu verzeichnen.


    Meine Kollegen hatte ich alle im Beisein
    von meinem Chef und dem Regionalleiter
    darauf angesprochen.
    Jeder einzelne versuchte sich mit einer anderen
    Ausrede aus der Affäre zu ziehen.
    Ich habe auch allen klar gemacht, dass ich
    jeden einzelnen von ihnen eigentlich wegen
    unterlassener Hilfeleistung bei der Polizei
    Anzeigen könnten, was ich aber nicht getan habe.


    Ich denke,
    dass man solche Vorfälle
    nie zu 100% ausschließen kann.
    Vielleicht sollte man aber hier einfach bei der Wahl
    der Mitarbeiter doch etwas mehr acht geben.





    @>BayerLA:
    Wenn du schon so etwas Ähnliches wie ich erlebt hast,
    dann weist du ja sicher, dass das alles andere als lustig
    war.


    Und ja, da möchte ich dir recht geben,
    egal wie gut man ausgebildet ist,
    egal wie gut man vorbereitet ist,
    egal wie gut die Kollegen sind,
    man kann niemals sicher sein,
    dass solche eine oder
    solch eine ähnliche Situation
    passiert.



    In diesen Sinne,
    passt auf euch auf.


    Grüße Blue-Bull :)

  • Großveranstaltugen sind eine sache für sich, jedoch sehe ich es so, das man sich in unsererm Berufsfeld zu 100% auf seine Kollegen verlassen muss und auch sollte. Ich weiß auch das es ein paar schwarze schafe unter uns giebt, aber die sind gott sei dank seltener geworden.

  • ZUm Glück hab eich solche Erfahrungen noch nicht machen müssen und ich hoffe, es kommt auch nie so weit. In solchen Situationen erkennt man dann, leider sehr schmerzhaft, auf wen man sich verlassen kann und wer besser auf nem Parkplatz in Novosibirsk Wassereis verkauft.


    Ich hoffe, dass alle, die solchen Erfahrungen haben machen müssen, alles gut überstanden haben und keine bleibenden Schäden davon getragen haben. Und für alle, die möglicher Weise solche Erfahrungen grade erst hinter sich haben und noch mit den Folgen kämpfen, gute Besserung!

    Der Laie staunt - der Fachmann wundert sich

  • Deine Kollegen hatten Recht, wenn man denn so einen Mülljob macht, dann muß die Firma eine Zusatzversicherung auf ihre Kosten abschließen, worin jedweder körperliche Schaden und die daraus folgenden möglichen Einkommensverluste zu 100% gedeckt werden, im Todesfall eine Versicherungssumme von 500.000 Euro fällig wird. Bei Verlust von Zähnen 100& Kostenerstattun inklusive Lohnfortzahlung solange das dauert, bei Invalidität 1.000.000 Euro.
    Dann könnte ich mir das vorstellen zu so einer Truppe zu gehören und mehr zu tun als weglaufen. Für 6 Euro brutto riskiere ich weder einen Zahn noch sonstwas.
    Ich bin nur Pförtner und würde nie einem Schlägerdienst beitreten, aber wenn ich dabei wäre dann nur zu den obengenannten Bedingungen. Meine körperliche Unversehrtheit wiegt viel schwerer als die eines jeden anderen.

  • Die "Kollegen" waren überhaupt nicht im Recht!


    Du hast für Dich entschieden, als Pförtner Deine Dienst zu tun. Dies war allein Deine Entscheidung und sie steht Dir zu; daraus hast Du alle entstehenden Vor- und Nachteile mit zu machen.


    Die, die sich für eine Arbeit im Veranstaltungsschutz, als Türsteher, Kaufhausdetektiv oder ähnliches entscheiden, wissen, dass man hier nicht auf Betschwestern und Pfadfinder trifft!
    Da ist es einfach Fakt, dass das Team zusammenhalten und füreinander einstehen muss!


    Es war ihre Entscheidung, und jeder im Team muss wissen, dass sie für diese, ihre Entscheidung gerade stehen und das machen, was im Ernstfall erwartet wird!


    Es war und ist nicht immer schön, aber wenn ich einem Team angehöre, dann weiss ich was zu welchen Bedingungen auf mich zukommen kann!

  • BayerLA


    ich sehe da kein "team"
    ein schönes Wort ..... aber mal im ernst, es handelt sich um eine Zweckgemeinschaft auf Zeit nicht mehr.


    von uns war keiner dabei und keiner kennt wirklich mehr Fakten!


    Ich sehe der ganzen Geschichte auch ein wenig besorgt und nicht schlüssig zu, etwas ist faul oder fehlt hier !

  • Im von Blue-Bull beschriebenen Fall war es auch kein Team, da stimme ich Dir absolut zu!


    Aber das sollte es sein, jeder, der bei derartigen Veranstaltungen mitmachen, mitarbeiten will, sollte dazu bereit sein ein Teil eines Teams werden zu wollen!


    Im grossen und ganzen habe ich bei meinem Post weniger von genau diesem Fall geredet (bzw. es beabsichtigt) sondern mehr davon, dass jeder für sich Entscheidungen trifft, hinter denen er auch voll stehen soll!


    Und das soll überall so sein! Denn auch wenn man ein "ruhiges" Arbeitsumfeld hat, ist man Teil eines Teams; hat sich an die Spielregeln zu halten und das "Miteinander" zu praktizieren...

  • Genau, nur dass es wahrscheinlich überwiegend die trifft, die als ein Team arbeiten wollen/können!
    Denn die stehen für die ein, die davonlaufen und ihre Kollegen im Stich lassen!

  • @>Arwed


    Ich muss mich über deine Meinung echt wundern.
    Du sagst ganz klar, dass es in Ordnung ist,
    dass man seinen Kollegen der am Boden liegt
    und der von mehreren Personen gerade auf
    Brutalste Weise zusammengeschlagen wird,
    im Stich lassen soll, damit man selber keinen
    Schaden davon trägt?


    HALLO, entschuldige bitte,
    aber was bist du den für einer? :cursing:


    Sicher ist bei diesem Job eine gute Versicherung
    eine gute Sache.
    Aber sie wird die nicht vor solchen Übergriffen schützen.
    Und wenn dich jemand
    Tod geschlagen hat,
    nur weil dir niemand geholfen hat,
    hast du von dem Geld auch nichts davon.
    ODER?
    Wenn jemand denkt,
    dass er für seine Arbeit zu wenig verdient,
    oder das er für wie in diesen Fall für den
    Veranstaltungsdienst nicht geeignet ist,
    dann soll er es lieber lassen.


    Es geht nicht um mich.
    Hier geht es doch um die Sache an sich.


    Deine Meinung kann ich nicht verstehen.


    Ich wünsche dir aber trotzdem,
    egal ob im Beruf oder Privat,
    dass du nie in so einer Situation gerätst
    und hilfe brachst.




    @> BayerLA, colle, wächter,


    Danke für die Antworten
    die bis hier her geschrieben wurden.
    Die unterschiedlichen Meinungen
    sind sehr Interessant und hilfreich
    für mich.




    Grüße Blue-Bull :)

  • Ich sehe das Ganze so:


    Wenn ich mich dazu entscheide im Veranstaltungsschutz zu arbeiten, dann muss ich damit rechnen, einen auf die Glocke zu bekommen - OK, Risiko des Jobs
    Aber wenn ich mich nicht mehr drauf verlassen kann, dass die Personen, mit denen ich zusammen arbeiten soll, auch Ihren Job machen, na dann Mahlzeit.


    Beetschwestern trifft man in der privaten Sicherheit wahrscheinlich nur als Pförtner im Kloster, oder als Objektschützer im Vatikan, aber wer sich auf den Risikojob einläßt, sollte an auch seinen Job tun und nicht weglaufen, wenn's drauf ankommt. Klar, manchmal ist Flucht die Beste Lösung, keine Frage, aber dann lass ich keinen Zurück!!! Wer soll dem den noch helfen? Das GoGO-Girl von der Box gegenüber? Ne Leute dass ist der Job der Sicherheit und wenn die Wegläuft, lässt sie in einer solchen Situation nicht nur nen Kollegen hängen, die ganze Truppe verliert auch ihre Glaubwürdigkeit und den Respekt. Das fällt dann mittelfristig auf den ganzen Bereich zurück. Und schon gibt's mehr auf die Glocke, weil manche denken, die einen sind abgehauen, jetzt hauen alle ab.


    Abhauen und einen zurücklassen ist definitiv nicht deeskalierend!

    Der Laie staunt - der Fachmann wundert sich

  • Ich habe selbst eine ganze Zeit u.a. im VA-Dienst gearbeitet und mehrere Jahre unsere VA-Gruppe trainiert und ausgebildet.
    Im Ergebnis wurde diese Truppe nicht nur bei Veranstaltungen, sondern überall dort, wo es brenzlig werden konnte, eingesetzt. Es kommen ne Menge Aufträge zusammen, die wir so gemeinsam absolviert und zu nem guten Abschluss gebracht haben. Durch den Zusammenhalt in der Truppe, erzeugt durch gemeinsame Ausbildung, Einsätze und auch ne ganze Menge gemeinsamer privater Erlebnisse, können wir uns blind aufeinander verlassen und sind so auch immer wieder heil aus Allem heraus gekommen.
    Dass jemand im Stich gelassen wurde, hat es die ganzen Jahre nicht gegeben. Weder im Einsatz, noch im privaten Leben.


    Und um ganz ehrlich zu sein: Wenn ich mich bei bestimmten Einsätzen - egal ob bei Veranstaltungen, beim Interventionsdienst oder wo sonst auch immer - nicht auf "meine" Truppe verlassen kann, dann ist es besser, den Auftrag gar nicht zu übernehmen.

  • arwed hat zu vielen Dingen seine eigene Meinung, manchmal ist sie nachvollziehbar, manchmal nicht, aber er ist immer in der Lage, seine Meinung zu vertreten. Er denkt halt manchmal anders als Andere.

    Der Laie staunt - der Fachmann wundert sich