Beiträge von Specialist

    das mit dem "pauschalieren" ist so eine Sache



    je länger ich in diesem Gewerbe tätig bin - es mögen nun um die 30 Jahre sein - umso mehr gewinne ich den Eindruck,
    bis auf wenige Ausnahmen - sind alle AG gleich


    und gerade die, die sich Pauschalisierungen verbeten, sind bei genauer und objektiver Betrachtung eben nicht die berühmte Ausnahme


    momentan habe ich gerade einen AG-Wechsel hinter mir -
    aufgrund der Tatsache, daß ich in einer gewissen Ebene einstieg, kann ich mich nicht beklagen,
    allerdings erlebe ich jeden Tag, daß mein Eindruck keinesfalls auf die vielen Hundert "Indianer" übertragbar wäre,
    die -entweder als eigenes Personal oder auch über Fremdfirmen beschäftigt werden


    die Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen/sollen, erfüllen alle pauschalen Klischees, die an negativen Erfahrungen immer wieder mitgeteilt werden


    es ist daher in meinen Augen ein eklatanter Unterschied zwischen dem, was offiziell verlangt und praktisch gefordert wird


    auf deutsch : egal, was man als "kleiner AN" laut Arbeitsvertrag machen müsste, erwartet wird "alles"
    und in der Praxis wird auch niemand - weder der AG, noch der Auftraggeber, noch der AN selbst, genau unterscheiden, dies wäre zu machen, dies wäre nicht zu machen, dies darf man tun, dies darf man nicht tun (weil z.B. eine Unterweisung fehlen würde)

    das ist doch alles Pillepalle
    wenn man das Aufgabengebiet eines Doorman vertraglich bewusst so definiert, daß er nicht unter gewisse Bestimmungen fallen soll,
    wird doch in der Praxis trotzdem etwas ganz anderes erwartet
    das ist derselbe Etikettenschwindel, wie er mit dem Begriff "Allgemeinverbindlichkeit" bei Tarifverträgen betrieben wird, die dann letztendlich so eingeschränkt und mit Ausnahmen versehen wird, daß der ursprüngliche Tarifvertrag gar nicht mehr gemeint ist................
    im Endeffekt läuft diese "Erbsenzählerei" immer auf Kosten des "kleinen AN"

    es fehlt leider die Allgemeinverbindlichkeit,
    also müsste die Geltung des LTV schon irgendwie vereinbart sein (z.b. im Arbeitsvertrag) bzw. ein Anspruch bestehen, weil beide Vertragspartner
    Mitglieder der Tarifparteien wären ( AG als tarifgebundenes Mitglied im Arbeitgeberverband, AN Mitglied der abschließenden Gewerkschaft)


    ansonsten, solange der Lohn nicht unter dem Mindestlohn liegt............

    die Lohngruppe 7 läge momentan bei 8,62 € und würde ab 1.1.14 auf 9,00 € steigen


    allerdings gälte diese Lohngruppe für Sicherheitsmitarbeiter im Pförtnerdienst oder im Objektschutzdienst, die ihren Dienst hauptsächlich in geschlossenen Objekten versehen


    als Sicherheitsmitarbeiter im Revierdienst wäre Lohngruppe 1 einschlägig, die aber jetzt schon bei 11,05 € liegen würde

    jetzt mal unabhängig davon, ob hier irgend ein krummes Ding lief oder nicht


    Arbeitnehmerhaftung : bei grober Fahrlässigkeit Haftung für den gesamten Schaden, bei normaler Fahrlässigkeit Haftung anteilig


    dürfte in Österreich nicht anders als bei uns sein


    muß man mal weiterspinnen den Fall : strafrechtlich kommt er vielleicht ungeschoren davon, aber zivilrechtlich muß er den gesamten Schaden tragen - das wäre ein typischer Schuß ins Knie, falls er hier doch etwas drehen wollte lol02

    ja, ein festes System konnte bei uns nur über Betriebsrat und Einigungsstelle durchgesetzt werden und wurde, nachdem intern umstrukturiert und der wehrhafte BR "entsorgt" worden war, nach knapp 10 Jahren wieder abgeschafft


    back to the roots - :cursing:

    wir hatten damals ein vorwärts rollierendes Sytem als Jahresplan installiert (F-S-N, 4er oder 5er-Blocks) bei 21 Schichten a 8 Std ,
    "mehr" möglich bei Schichtenübernahme, "weniger" möglich bei Schichtenverzicht


    das hat hervorragend funktioniert, und bei einem Stundenlohn um die 15€ konnte sich auch niemand beklagen, er würde verhungern


    rückwärts rollierend (N-S-F) halte ich für extrem ungünstig,
    im Wechsel (F-S-N-S-F) auch nicht optimal


    und ich gebe dir recht, bei einem 3 Schicht-System ohne feste Schichtenfolge kann dich der Dienstplaner in den Wahnsinn treiben
    gerade viele dieser Dienstplaner sind ja das Hauptproblem bei der ganzen Sache,
    da werden nicht immer die Fähigsten dazu berufen und entsprechende Schulungen zu dem Thema sind auch eher selten

    meine Kritikpunkte an dem "badischen"-Modell wären die häufigen und doch relativ kurzen Wechsel von Nacht auf Tag


    dadurch erkauft man sich zwar längere zusammenhängende Freizeit beim Wechsel von Tag auf Nacht


    aber ..........................................


    die Geschmäcker mögen verschieden sein, mir machte der Wechsel von Nacht auf Tag immer die größten Probleme,
    so daß bei mir 48 Std Umstellungszeit (gefühlte 1,5 Tage) zu kurz waren...............

    ja, die Fachkraftproblematik cry01


    in unserer Region werden fleissig Fachkräfte für Schutz und Sicherheit ausgebildet, Bedarf geht gegen Null, weil sie niemand fordert bzw. auch bezahlt


    erstaunlicherweise bilden auch verstärkt Firmen, die ihren Werkschutz größtenteils fremd vergeben haben, wieder selbst FSKK aus,
    mir sind im Bereich MÜnchen alleine bei den von meinem AG betreuten Objekten 5 Ausbildungstellen für FKSS bekannt,
    mit besten Chancen, dort auch übernommen zu werden ( und da wird dann nicht nach dem Discounter-Bewachungstarifvertrag bezahlt)


    GSSK bzw. die alte IHK-Werkschutzfachkraft wird allerdings stark nachgefragt , da muß niemand lange suchen,
    ist allerdings für FKSS nicht unbedingt der Hit, nach erfolgreicher Ausbildung "unter Preis" arbeiten zu müssen
    ( 12,46 GSSK, 14,31 FKSS)


    das es da in anderen Regionen düsterer ausschaut , mag sein


    zudem bleibt es auch jedem selbst überlassen, ob er bleibt, wo er ist und sich stundenmässig bei MIndestlohn kaputtschuftet, um überleben zu können, oder sich weiterbildet, evtl. auch umzieht oder pendelt ( unsere ostdeutschen Kollegen machen es uns vor),
    um mehr zu verdienen


    zu den 12-Std :
    Auch wenn das Modell von badisch-nsl die Sache erträglicher machen würde und eine feste Schichtenfolge auch Schule machen sollte ,
    das beste Modell nützt nichts, wenn es am Personal fehlt
    und der Fachkräfte-Mangel in unserer Region ist so eklatant, da wäre dieses (und jedes andere) Modell, das "nur" mit ca.190 Std plant von vorne herein Makulatur

    der Mindestlohn wird kaum um 30% steigen, in absehbarer Zeit


    aber durch Weiterqualifizierung kann man da selbst einen Riesensprung machen


    und bei Fachkraftlöhnen sollte doch (je nach Bundesland) auch bei 8-Std-Schichten ein Auskommen möglich sein ?

    da könnte man jetzt den Bogen zu anderen Themen spannen


    von selbst ändert sich nichts


    und was möglich wäre, zeigen die Ergebnisse einiger letzter Tarifverhandlungen, die "erstreikt" wurden


    aber solange die überwiegende Mehrheit in dieser Branche nach dem Motto "Das Schweigen der Lämmer" lebt
    und resignierend der Ansicht nachhängt, es bliebe ihnen nichts anderes übrig,
    wird es wohl auch so bleiben

    geht mir genauso ;)


    da muß man schon aus besonderem Holz geschnitzt sein oder bereits völlig mit dem "Restleben" abgeschlossen haben,
    wenn man als Dauerzustand 5er oder 6er Blocks mit 12 Std abreiten kann, ohne großartig darunter zu leiden


    und das seltsame ist ja : 12 Std quasi "nichtstun" oder nur "rumsitzen" schlaucht noch mehr, als wenn wirklich etwas zu tun wäre


    aber ich denke auch, es ist überwiegend eine "Kopfsache", wie man das ganze wegsteckt bzw. welchen Stellenwert man seiner Arbeit im Leben einräumen will

    man darf aber nicht außer Acht lassen, daß in manchen Fällen, wenn sich z.B. ein extremes Missverhältnis zwischen Tatmittel und verteidigtem Interesse darstellt oder es sich um erkennbar "nicht Schuldfähige" handelt , es an der nötigen Gebotenheit fehlen würde und das Notwehrrecht eingeschränkt wäre


    was man dann im allgemeinen Sprachgebrauch ungenauerweise mit dem Begriff "Verhältnismässigkeit" meinen könnte

    ja, Chefin, so ähnlich lief es bei mir


    20-25 12-Std-Schichten, Dienstpläne wie Kraut und Rüben, zusätzlich von heute auf morgen Ausfälle des betriebsinternen Werkschutzes abfangen


    nur noch Arbeit, heim , schlafen, Arbeit...................


    da tröstet das Geld auch nicht mehr darüber hinweg,


    und hat man trotzdem mal 2-3 Tage frei, ist man so erschöpft, daß man zu nichts mehr Lust hat und die auch nur noch vergammelt,


    ganz abgesehen davon, was alles liegenbleibt, weil man nichts mehr erledigen kann nach Dienstende



    ich musste die Notbremsé ziehen - bevor es zu spät ist ( ob burn- oder bore-out, oder beides zusammen :D )


    alle AG, die ich bisher in meinem Abstecher im Werkschutz erlebt habe, machen diese 12 Std nicht, um die Mitarbeiter um die 15 Schichten zu beschäftigen, sondern um gezielt Personal einzusparen, und wenn man sich anschaut, welche lebenden Toten (sowohl geistig als auch körperlich) in manchen Pforten rumhängen, muß man wirklich schauen, nicht auch so zu enden



    denn der Job in Zusammenhang mit diesem endlosen Stundenschieben macht dich schleichend und ohne daß du es anfangs richtig merkst fertig............

    unser geliebtes ArbZG hält zudem auch zum Thema "Ruhepause" im § 14 einiges bereit, was man als AG in Ausnahmefällen ebenfalls heranziehen könnte


    es ist schon ein Kreuz cry01


    na ja, ab 1.6. haben sich dank neuem Job die 12-Std-Schichten für mich (nach über 3 Jahren) erstmal wieder erledigt (gottseidank)
    und das Leben darf sich wieder normalisieren


    es war nicht schön und 12 Std-Schichten möchte ich nie mehr machen.................

    ......vielleicht, weil es im Ernstfall eine(n) Aufsichtsbehörde/ Richter kaum interessieren dürfte, ob die Beschäftigten davon begeistert waren,
    sondern lediglich der AG in der Pflicht gesehen wird, nicht gegen das ArbZG verstoßen zu dürfen und deshalb zahlen müsste ?


    so ein "Kläger" könnte jederzeit kommen, und wenn es nur der Betroffene selbst wäre, von dem man sich im Streit trennt,
    oder die BG, die nach einem Arbeitsunfall mal die Arbeitszeiten unter die Lupe nimmt.........

    Resignation ist ein vielfach zu beobachtendes Phänomen in unserer Branche


    man nimmt das, was man kriegt, und findet sich damit ab
    viele, mit denen ich gesprochen habe, rechnen ihre Lohnabrechnungen niemals genau nach, Urlaubs- oder Krankentagessätze,
    und falls doch, es fehlen ein paar Euro oder ein paar Stunden oder Zuschläge wurden "unterschlagen",
    was soll man schon machen, man schimpft etwas hinter vorgehaltener Hand, und vergisst die Sache,
    viele bringen noch nichtmals den Mut auf, die Lohnbuchhaltung anzurufen und freundlich zu reklamieren (was oftmals das Problem schon löst)


    auch die Dienstpläne sind ein beliebtes und viel genutztes Machtinstrument,
    wer sich mit dem Dienstplaner gut stellt, bekommt eben oftmals (je nach Charakter dieses Vorgesetzten) mehr zuschlagspflichtige Stunden, mehr Wochenenden frei, regelmässigere Schichtfolgen.............
    die wenigsten Objekte haben feste Pläne mit fortlaufendem Rythmus , sondern die Pläne werden Monat für Monat irgendwie zusammengestöpselt
    und auch da wäre ja erstmal zu versuchen, dem zuständigen Planer in angemssener Art mitzuteilen, was einem nun genau nicht gefällt bzw. wie man es gerne anders hätte


    beim Erstellen von Dienstplänen greift das Direktionsrecht des AG, u.a. mit der Einschränkung des "billigen Ermessens"
    was eben (theoretisch) nicht heißt, der AG (oder in dem Fall der EL) kann schalten und walten wie er will,
    sondern muß bei seiner Einteilung auch die Interessen des AN im Auge haben und angemessen berücksichtigen,
    zudem darf er niemanden ohne Sachgrund, also willkürlich , benachteiligen


    wie auch in anderen Bestimmungen festgehalten , wie z.b.



    § 75 BetrVG Grundsätze für die Behandlung der Betriebsangehörigen






    (1) Arbeitgeber und
    Betriebsrat haben darüber zu wachen, dass alle im Betrieb tätigen
    Personen nach den Grundsätzen von Recht und Billigkeit behandelt werden



    oder dem arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz :



    "Der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz besagt, dass der
    Arbeitgeber bei begünstigenden Maßnahmen gegenüber seinen Arbeitnehmern
    keinen einzelnen Arbeitnehmer aus willkürlichen Gründen schlechter als
    andere, mit ihm vergleichbare Arbeitnehmer behandeln darf. (Hensche)"



    das AGG wäre in solchen Fällen eher nicht anwendbar, da nicht einschlägig, außer Benachteiligungen wären zurückzuführen auf die Tatbestände , die im § 1 genannt wären : Rasse, Herkunft, Geschlecht etc.
    nach 315 BGB wären "unbillige" Anweisungen unverbindlich


    aber da haben wir schon die Probleme :


    was wäre "unbillig" ? im Streitfall müsste das ein Richter für den speziellen Einzelfall entscheiden, und wenn die Sache schonmal vor Gericht gelandet ist, steht das weitere Arbeitsverhältnis meistens unter keinem guten Stern mehr


    was wäre eine Benachteiligung ?
    In Bundesländern mit (noch) hohen Nachtzuschlägen (23%) fühlen sich MItarbeiter benachteiligt, wenn sie zu wenig Nachtschichten bekommen, in BUndesländern mit niedrigen Nachtzuschlägen (5%) kann es umgekehrt sein


    also muß man leider als Fakt für die Praxis feststellen : der EL macht den Plan so, wie er will
    ist dann dieser EL auch noch BRV, braucht man auf innerbetriebliche Hilfe kaum mehr hoffen