Beiträge von Specialist

    meine Kritikpunkte an dem "badischen"-Modell wären die häufigen und doch relativ kurzen Wechsel von Nacht auf Tag


    dadurch erkauft man sich zwar längere zusammenhängende Freizeit beim Wechsel von Tag auf Nacht


    aber ..........................................


    die Geschmäcker mögen verschieden sein, mir machte der Wechsel von Nacht auf Tag immer die größten Probleme,
    so daß bei mir 48 Std Umstellungszeit (gefühlte 1,5 Tage) zu kurz waren...............

    ja, die Fachkraftproblematik cry01


    in unserer Region werden fleissig Fachkräfte für Schutz und Sicherheit ausgebildet, Bedarf geht gegen Null, weil sie niemand fordert bzw. auch bezahlt


    erstaunlicherweise bilden auch verstärkt Firmen, die ihren Werkschutz größtenteils fremd vergeben haben, wieder selbst FSKK aus,
    mir sind im Bereich MÜnchen alleine bei den von meinem AG betreuten Objekten 5 Ausbildungstellen für FKSS bekannt,
    mit besten Chancen, dort auch übernommen zu werden ( und da wird dann nicht nach dem Discounter-Bewachungstarifvertrag bezahlt)


    GSSK bzw. die alte IHK-Werkschutzfachkraft wird allerdings stark nachgefragt , da muß niemand lange suchen,
    ist allerdings für FKSS nicht unbedingt der Hit, nach erfolgreicher Ausbildung "unter Preis" arbeiten zu müssen
    ( 12,46 GSSK, 14,31 FKSS)


    das es da in anderen Regionen düsterer ausschaut , mag sein


    zudem bleibt es auch jedem selbst überlassen, ob er bleibt, wo er ist und sich stundenmässig bei MIndestlohn kaputtschuftet, um überleben zu können, oder sich weiterbildet, evtl. auch umzieht oder pendelt ( unsere ostdeutschen Kollegen machen es uns vor),
    um mehr zu verdienen


    zu den 12-Std :
    Auch wenn das Modell von badisch-nsl die Sache erträglicher machen würde und eine feste Schichtenfolge auch Schule machen sollte ,
    das beste Modell nützt nichts, wenn es am Personal fehlt
    und der Fachkräfte-Mangel in unserer Region ist so eklatant, da wäre dieses (und jedes andere) Modell, das "nur" mit ca.190 Std plant von vorne herein Makulatur

    der Mindestlohn wird kaum um 30% steigen, in absehbarer Zeit


    aber durch Weiterqualifizierung kann man da selbst einen Riesensprung machen


    und bei Fachkraftlöhnen sollte doch (je nach Bundesland) auch bei 8-Std-Schichten ein Auskommen möglich sein ?

    da könnte man jetzt den Bogen zu anderen Themen spannen


    von selbst ändert sich nichts


    und was möglich wäre, zeigen die Ergebnisse einiger letzter Tarifverhandlungen, die "erstreikt" wurden


    aber solange die überwiegende Mehrheit in dieser Branche nach dem Motto "Das Schweigen der Lämmer" lebt
    und resignierend der Ansicht nachhängt, es bliebe ihnen nichts anderes übrig,
    wird es wohl auch so bleiben

    geht mir genauso ;)


    da muß man schon aus besonderem Holz geschnitzt sein oder bereits völlig mit dem "Restleben" abgeschlossen haben,
    wenn man als Dauerzustand 5er oder 6er Blocks mit 12 Std abreiten kann, ohne großartig darunter zu leiden


    und das seltsame ist ja : 12 Std quasi "nichtstun" oder nur "rumsitzen" schlaucht noch mehr, als wenn wirklich etwas zu tun wäre


    aber ich denke auch, es ist überwiegend eine "Kopfsache", wie man das ganze wegsteckt bzw. welchen Stellenwert man seiner Arbeit im Leben einräumen will

    man darf aber nicht außer Acht lassen, daß in manchen Fällen, wenn sich z.B. ein extremes Missverhältnis zwischen Tatmittel und verteidigtem Interesse darstellt oder es sich um erkennbar "nicht Schuldfähige" handelt , es an der nötigen Gebotenheit fehlen würde und das Notwehrrecht eingeschränkt wäre


    was man dann im allgemeinen Sprachgebrauch ungenauerweise mit dem Begriff "Verhältnismässigkeit" meinen könnte

    ja, Chefin, so ähnlich lief es bei mir


    20-25 12-Std-Schichten, Dienstpläne wie Kraut und Rüben, zusätzlich von heute auf morgen Ausfälle des betriebsinternen Werkschutzes abfangen


    nur noch Arbeit, heim , schlafen, Arbeit...................


    da tröstet das Geld auch nicht mehr darüber hinweg,


    und hat man trotzdem mal 2-3 Tage frei, ist man so erschöpft, daß man zu nichts mehr Lust hat und die auch nur noch vergammelt,


    ganz abgesehen davon, was alles liegenbleibt, weil man nichts mehr erledigen kann nach Dienstende



    ich musste die Notbremsé ziehen - bevor es zu spät ist ( ob burn- oder bore-out, oder beides zusammen :D )


    alle AG, die ich bisher in meinem Abstecher im Werkschutz erlebt habe, machen diese 12 Std nicht, um die Mitarbeiter um die 15 Schichten zu beschäftigen, sondern um gezielt Personal einzusparen, und wenn man sich anschaut, welche lebenden Toten (sowohl geistig als auch körperlich) in manchen Pforten rumhängen, muß man wirklich schauen, nicht auch so zu enden



    denn der Job in Zusammenhang mit diesem endlosen Stundenschieben macht dich schleichend und ohne daß du es anfangs richtig merkst fertig............

    unser geliebtes ArbZG hält zudem auch zum Thema "Ruhepause" im § 14 einiges bereit, was man als AG in Ausnahmefällen ebenfalls heranziehen könnte


    es ist schon ein Kreuz cry01


    na ja, ab 1.6. haben sich dank neuem Job die 12-Std-Schichten für mich (nach über 3 Jahren) erstmal wieder erledigt (gottseidank)
    und das Leben darf sich wieder normalisieren


    es war nicht schön und 12 Std-Schichten möchte ich nie mehr machen.................

    ......vielleicht, weil es im Ernstfall eine(n) Aufsichtsbehörde/ Richter kaum interessieren dürfte, ob die Beschäftigten davon begeistert waren,
    sondern lediglich der AG in der Pflicht gesehen wird, nicht gegen das ArbZG verstoßen zu dürfen und deshalb zahlen müsste ?


    so ein "Kläger" könnte jederzeit kommen, und wenn es nur der Betroffene selbst wäre, von dem man sich im Streit trennt,
    oder die BG, die nach einem Arbeitsunfall mal die Arbeitszeiten unter die Lupe nimmt.........

    Resignation ist ein vielfach zu beobachtendes Phänomen in unserer Branche


    man nimmt das, was man kriegt, und findet sich damit ab
    viele, mit denen ich gesprochen habe, rechnen ihre Lohnabrechnungen niemals genau nach, Urlaubs- oder Krankentagessätze,
    und falls doch, es fehlen ein paar Euro oder ein paar Stunden oder Zuschläge wurden "unterschlagen",
    was soll man schon machen, man schimpft etwas hinter vorgehaltener Hand, und vergisst die Sache,
    viele bringen noch nichtmals den Mut auf, die Lohnbuchhaltung anzurufen und freundlich zu reklamieren (was oftmals das Problem schon löst)


    auch die Dienstpläne sind ein beliebtes und viel genutztes Machtinstrument,
    wer sich mit dem Dienstplaner gut stellt, bekommt eben oftmals (je nach Charakter dieses Vorgesetzten) mehr zuschlagspflichtige Stunden, mehr Wochenenden frei, regelmässigere Schichtfolgen.............
    die wenigsten Objekte haben feste Pläne mit fortlaufendem Rythmus , sondern die Pläne werden Monat für Monat irgendwie zusammengestöpselt
    und auch da wäre ja erstmal zu versuchen, dem zuständigen Planer in angemssener Art mitzuteilen, was einem nun genau nicht gefällt bzw. wie man es gerne anders hätte


    beim Erstellen von Dienstplänen greift das Direktionsrecht des AG, u.a. mit der Einschränkung des "billigen Ermessens"
    was eben (theoretisch) nicht heißt, der AG (oder in dem Fall der EL) kann schalten und walten wie er will,
    sondern muß bei seiner Einteilung auch die Interessen des AN im Auge haben und angemessen berücksichtigen,
    zudem darf er niemanden ohne Sachgrund, also willkürlich , benachteiligen


    wie auch in anderen Bestimmungen festgehalten , wie z.b.



    § 75 BetrVG Grundsätze für die Behandlung der Betriebsangehörigen






    (1) Arbeitgeber und
    Betriebsrat haben darüber zu wachen, dass alle im Betrieb tätigen
    Personen nach den Grundsätzen von Recht und Billigkeit behandelt werden



    oder dem arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz :



    "Der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz besagt, dass der
    Arbeitgeber bei begünstigenden Maßnahmen gegenüber seinen Arbeitnehmern
    keinen einzelnen Arbeitnehmer aus willkürlichen Gründen schlechter als
    andere, mit ihm vergleichbare Arbeitnehmer behandeln darf. (Hensche)"



    das AGG wäre in solchen Fällen eher nicht anwendbar, da nicht einschlägig, außer Benachteiligungen wären zurückzuführen auf die Tatbestände , die im § 1 genannt wären : Rasse, Herkunft, Geschlecht etc.
    nach 315 BGB wären "unbillige" Anweisungen unverbindlich


    aber da haben wir schon die Probleme :


    was wäre "unbillig" ? im Streitfall müsste das ein Richter für den speziellen Einzelfall entscheiden, und wenn die Sache schonmal vor Gericht gelandet ist, steht das weitere Arbeitsverhältnis meistens unter keinem guten Stern mehr


    was wäre eine Benachteiligung ?
    In Bundesländern mit (noch) hohen Nachtzuschlägen (23%) fühlen sich MItarbeiter benachteiligt, wenn sie zu wenig Nachtschichten bekommen, in BUndesländern mit niedrigen Nachtzuschlägen (5%) kann es umgekehrt sein


    also muß man leider als Fakt für die Praxis feststellen : der EL macht den Plan so, wie er will
    ist dann dieser EL auch noch BRV, braucht man auf innerbetriebliche Hilfe kaum mehr hoffen

    gratuliere zu deinem Traumjob jubel01


    allerdings ziehen dabei am Horizont schon wieder Problemwolken auf :


    § 7 ArbZG


    (9) Wird die werktägliche Arbeitszeit über zwölf Stunden hinaus
    verlängert, muss im unmittelbaren Anschluss an die Beendigung der
    Arbeitszeit eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden gewährt werden.



    ich kenne ein Objekt in MÜnchen, in dem die Tagschichten 10 Std, die Nachtschichten 14 Std dauern
    während der Nacht steht eine Ruheraum mit Bett zur Verfügung, man darf offiziell 2 Std bezahlt "schlafen", was die Sache in meinen Augen aber auch nicht "legaler" macht, denn im Fall der Fälle muß man die Arbeit sofort wieder aufnehmen können

    tja, was soll man machen ?


    theoretisch ist ja alles klar, es ist sowohl unzulässig, jemanden ohne Gewährung der gesetzlichen Pausen zu beschäftigen (Ordnungswidrigkeit bzw. in hartnäckigen Fällen Straftat) als auch 12 Stunden arbeiten zu lassen, ohne erhebliche Arbeitsbereitschaft bzw. Bereitschaftsdienst


    in der Praxis riskiert man aberr zumindest erhebliche Nachteile wenn nicht gar ganz seinen Job, falls man sich diesbezüglich mit seinem AG anlegt


    man muß für sich entscheiden, ob man das Ganze mitmachen will, weil man Ärger scheut, ob man in Opposition geht, weil man ja im Recht ist und dafür kämpfen will, egal welche Nachteile das im Nachgang bringen würde oder es Alternativen gibt (neuer Job)


    auch ein anonymer Hinweis an die zuständigen Behörden könnte Abhilfe schaffen, vielleicht wird der Laden mal unter die Lupe genommen, was dem AG gar nicht schmecken dürfte, da dabei erfahrungsgemäß oftmals noch weitere Missstände auf den Tisch kommen


    die Ignoranz der Vorgesetzten und Totschlagsargumente (keine Leute) ist auf jeden Fall meistens erstmal die übliche Reaktion, falls sich AN beschweren


    ein weiteres Phänomen, das mir auffiel, sind die "Stammbesetzungen" mancher Objekte.
    Oftmals gibt es eine Handvoll Leute, die schon ewige Zeiten an einem Objekt arbeiten und die Bedingungen dort - so ungesetzlich oder übel sie auch sein mögen - so verinnerlicht haben, daß sie sie selbst bis aufs Messer verteidigen und als notwendig und unabänderlich hinstellen
    da hast du dann als "Neuer" , der solche Zustände nicht kennt oder auch nicht hinnehmen will, sofort die komplette Mannschaft gegen dich - absurde Sache :dash:

    Nun gut, pauschale Unterstellungen sind nicht das wahre, da gebe ich dir recht


    aber wenn jemand behauptet, die vorgeschriebene Arbeitsbereitschaft bei 12Std-Schichten wäre in fast jedem (Werkschutz-)Objekt seines Unternehmes gewährleistet, stelle ich das mal - ohne nähere Kenntniss der Umstände vor Ort - genauso pauschal in Frage, wie es behauptet wird


    da es jeglicher Realität widerspricht, der ich in meiner über 30 jährigen Tätigkeit im Bewachungsgewerbe begegnet bin


    es mag einzelne Objekte geben, die diesen Vorgaben entsprechen, wobei dann aber wieder andere Probleme auftauchen (Einzelarbeitsplätze vs. gesetzliche Ruhepausen, oder ähnliches) oder Auftraggeber, die diese "Leerlaufzeiten" mit zusätzlichen Aufgaben füllen ("ich bezahl die doch nicht dafür, daß sie nur rumsitzen")


    wenn zudem das "rumsitzen" pauschal als Arbeitsbereitschaft postuliert wird, wächst die Skepsis noch mehr


    aber letztendlich hast du die Problematik dann doch etwas differenzierter dargestellt


    btw- so alt das Thema ist, so aktuell bleibt es


    gerade heutzutage wird verstärkt Personal abgebaut, wo früher noch 3-4 Leute Dienst verrichteten, sind es heute bloß noch 2 oder 1mit allen zugehörigen Problemen der Arbeitsverdichtung, der Unkenntnis auf AN-Seite ihrer Ansprüche nach § 7 ArbZG bzw. der (nicht unberechtigten) Angst, diese auch einzufordern, die Nichtbeachtung durch Auftraggeber sowie des Nichteinschreitens seitens des AG bei "unerfüllbaren" Anforderungen mancher Auftraggeber wird es aber auch, solange es 12-Std-Schichten gibt, aktuell bleiben

    Guten Morgen :rolleyes:


    Bereits während meiner aktiven Betriebsratszeit, die mittlerweile ein paar Jährchen zurückliegt, fiel mir auf, daß viele Gesprächs- oder Verhandlungspartner auf Ebene der Regionalleitung oder Geschäftsführung über eine Betriebsrats-Vergangenheit verfügen


    Persönlich kenne ich einen Betriebsratsvorsitzenden , der direkt aus dem Amt auf eine Geschäftsführerstelle wechselte, diese jedoch nicht erfolgreich ausführen konnte und nach diesem kurzen Intermezzo die Firma ungewollt verlassen musste, einen Konzernbetriebsratsvorsitzenden, der ebenfalls sein Amt aufgab, um eine angebotene Geschäftsführerfunktion wahrzunehmen , mehrere amtierende Geschäftsführer und Regionalleiter , die in früheren Jahren ebenfalls über die Betriebsratsschiene Kontakte knüpften, die ihnen letztendlich den Aufstieg in die nun ausgeübten Funktionen ermöglichten.


    Zudem kommt die eigene Erfahrung. Auch zu meiner aktiven Zeit als BRV kamen über die Geschäftsführung eindeutige Angebote ( z.b."den halben Tag sitzen sie bei uns im Büro und bearbeiten Akten, den anderen halben Tag sind sie freigestellt, wobei wir gar nicht wissen wollen, was sie genau machen").


    Derartige Angebote wurden jedoch von mir stets abgelehnt, hauptsächlich, da sie in meinen Augen der Versuch waren, kritische BR-Arbeit unterbinden zu wollen (das böse Wort "Bestechung" möchte ich gar nicht so deutlich aussprechen)


    Es stellt sich die Frage : Welche Auswirkung hat das Betriebsratsamt auf die internen Entwicklungsmöglichkeiten ?


    ich behaupte mal, es ist eher förderlich als hinderlich


    förderlich für denjenigen, der sich "kaufen" lässt (unabhängig davon, ob er sich danach noch selbst im Spiegel anschauen kann), wobei , falls sich herausstellt, die Schuhe, die ihm angeboten wurden, wären zu groß, kommt auch wieder schnell der rasante Abstieg, zumindest aber bekommt er eine Chance (aus welchen Beweggründen auch immer), die er ohne BR-Amt niemals bekommen hätte


    oder etwas positiver betrachtet


    förderlich für den, der erst durch die Ausübung eines solchen Amtes aus der Anonymität des "normalen AN" heraustritt und den Entscheidungsträgern im Unternehmen "auffällt", nach dem Motto, so einen könnten wir auf einer anderen Position brauchen,der wäre "auf unserer Seite" gut aufgehoben, man will ihn quasi von der AN-Seite auf die AG-Seite "ziehen"


    Wer kann über ähnliche Erfahrungen berichten bzw. welche Beobachtungen habt ihr diesbezüglich schon gemacht ?